Worum geht es

Workerplacement – hurra, das hatten wir ja schon lange nicht mehr. Jeder hat vier Arbeiter, von denen drei einem Würfel zugeordnet sind. Diese drei Würfel werden zu Beginn jeder Runde neu geworfen, die Augen gelten für alle Spieler. Wo setz ich meine Arbeiter ein? Es gibt ein paar der üblichen allgemeinen Felder um Ressourcen zu besorgen. Auf denen darf in der Regel nur ein Arbeiter stehen, das führt natürlich zu Gedränge. Soweit erst einmal nix Neues. Schon interessanter ist der obere Bereich des Spielplans in dem 4 x 4 Karten ausgelegt werden, und dabei zufällig bestimmten Würfelpunkten zugeordnet werden. Um eine dieser Karten zu bekommen, muss ich die der Karte zugeordneten Würfelaugen mit meinem Arbeiter erreichen. Klar kann ich die Würfelpunkte durch Helferlein pimpen. Karten will ich haben, und zwar möglichst viele, denn die Karten bringen sofortige Boni, dauerhafte Vorteile und Siegpunkte. Das Ganze geht über sechs Runden, alle zwei Runden muss ich genügend Glaubenspunkte gesammelt haben, sonst gibt es eine dauerhafte Strafe. Diese Strafen sind unangenehm, aber man kann das Spiel auch gewinnen wenn man Strafen kassiert.

Was taugt es

Der Mechanismus wie man an die Karten kommt ist sehr schön und sorgt auch für ordentlich Interaktion. Zum Glück aber keine destruktive, man nimmt sich halt nur Aktionen weg oder verteuert sie für die Mitspieler. Durch die Würfelei und die zufällige Verteilung der Karten muss man sein Spiel immer den aktuellen Gegebenheiten anpassen. Noch wichtiger ist es aber eine grundsätzliche Strategie zu haben. Besonders, wenn man das komplette Spiel mit Anführern spielt. Soll heißen, der olle Lorenzo ist in erster Linie ein Strategiespiel, aber durch Kartenverteilung und Würfel muss man recht flexibel in der Umsetzung der Strategie sein. Das hat mir schon immer gefallen, und ist beim Lorenzo wunderbar umgesetzt.
Spielregel und Ikonografie sind vorbildlich, Optik und Haptik sind auch sehr gut. Na ja, die 5er Helfer könnten etwas größer sein.

Fazit

Jawoi, die Italiener haben es einfach drauf. Tzolkin, Marco Polo, Grand Austria Hotel, alles sehr gute Spiele und der prächtige Lorenzo reiht sich nahtlos ein. Aber bitte nur mit Anführern spielen. Die bringen durch die Möglichkeit jederzeit ein Ratsprivileg zu erwerben mehr Flexibilität ins Spiel, und machen einfach Spaß, weil man zusätzliche individuelle Ziele hat.
Ich hab den Lorenzo bisher nur zu dritt oder zu viert gespielt, da funktioniert er prächtig. Die Begeisterung der Spieler in Zweierpartien war nicht so hoch. Könnte an zu wenig Konkurrenz im Kartenbereich und fehlender Möglichkeit der Zweitausführung der Ernteaktionen liegen. Den Lorenzo spiel ich jederzeit sofort wieder mit und schlag ihn auch gerne vor, und einen dauerhaften Platz in meinem Spieleschrank (den ich dringend mal wieder ausmisten muss) hat er sicher.

9 von 10 Punkten

Rezensent: Peter

 

Update …

… nach ein paar weiteren Partien Lorenzo.
Zu viert macht das Spiel am meisten Spaß, da die Interaktion am höchsten ist und es am schwierigsten ist die geplante Strategie zu verfolgen. Außerdem wird die Spielreihenfolge im Spiel zu viert deutlich wichtiger als im Spiel zu dritt.
Die Gebiete sind sehr wichtig. Mit den passenden Anführern sehr stark, aber auch ohne passende Anführer kann es zum Sieg reichen, selbst wenn man die Anführer dadurch völlig ignorieren muss. Häufig ist es so, dass manche Spieler ganz auf die Gebiete verzichten. Die werden in den letzten Runden kaum noch an Gebieten interessiert sein. Da hat der Gebietsspieler dann freie Hand. Alle anderen Entwicklungskarten sind aufgrund der Siegpunkte die sie bringen hingegen für alle Spieler bis zum Ende interessant unabhängig von ihrer Strategie.
Schmälert das den Spielreiz? Hm, ich hab bisher immer auf die Gebiete gespielt und sehe momentan keinen Grund diese Strategie zu ändern. Das reduziert den Wiederspielreiz durchaus. Trotzdem bleibt es erstmal bei 9 Punkten. Ich hoffe, dass die Gebietsstrategie ihren Reiz verliert, wenn alle Mitspieler an Gebieten interessiert sind und es dadurch schwieriger wird viele passende Gebiete zu bekommen.
Auch sehr wichtig ist es in den richtigen Runden Startspieler zu sein. Wenn die Karten passen, kann man mit einer aktin bis zu drei Karten erhalten. Das ist schon recht mächtig.