Es ist wieder Donnerstag und Karlsfeld spielt wieder. Diesmal sind wir im Keller und es ist erstaunlich warm. Schon nach kurzer Zeit ziehen die ersten Leute ihre Winterjacke aus. Kann daran liegen, dass die Butze gerammelt voll ist.

Wie immer findet sich ein Vielspielertisch, dieses Mal mit Olli, Jörg, Frank und mir. Wir wagen uns an Andreas Stedings neues Werk Die Staufer.

Allein die Beschreibung des Spielaufbaus geht über 2 Doppelseiten. Entsprechend dauert es etwas bis wir loslegen können.

Worum geht es im Stauferreich? Natürlich mal wieder um Siegpunkte. Die gibt es während des Spiels für Mehrheiten in der Regionenwertung und am Spielende für erfüllte Aufträge und gesammelte Truhen. Mehrheiten und Aufträge – pfui, das ist doch Teufelszeug. Warum tue ich mir das überhaupt an? Weil es von Andreas Steding ist und der kann gute Mechanismen.

Das Spiel geht über 5 Runden, jeder hat pro Runde 3 Aktionen, macht 15 Aktionen im gesamten Spiel. Das ist nicht viel. Jede Aktion will somit gut überlegt sein. Da lauert der altbekannte Unhold „Grübelpotential“. Die Aktionsreihenfolge der aktuellen Runde bestimmt sich aus der Aktionsreihenfolge der letzten Runde. Das ist schön designed und führt zu immer neuen Aktionsreihenfolgen der Spieler.

Im Grunde gibt es nur 2 Aktionsmöglichkeiten, entweder Manschgerl Nachschub holen oder seine Manschgerl (hier Gesandte und Blaublüter) siegpunktbringend im Spiel einsetzen. Nebenbei gibt es überall Truhen zu gewinnen, und die haben es in sich. Sie bringen entweder Siegpunkte am Ende, oder das Recht dauerhafte Privilegien zu erwerben oder Sofort- oder Einmalaktionen. Grad letztere haben es in sich, weil sie Vorteile in folgenden Zügen bringen. So in der Art: wenn ich jetzt den Amtssitz A besetze bekomme ich die Truhe B mit deren Hilfe ich im nächsten Zug auch noch Amtssitz C besetzten kann, wenn mir Spieler D nicht zuvor kommt. Verdammt, wieso ist der in der Aktionsreihenfolge vor mir dran.

In Die Staufer gibt es viele Wege zum Ziel/Sieg. Die Mechanismen machen Spaß und sind sehr gut aufeinander abgestimmt. Außer den Aktionen der Mitspielern und der Auslage der Truhen gibt es keine Zufallseinflüsse. Schon zu Spielbeginn weiß ich wann wo der König steht und welche Region sicher gewertet wird. Das ist wirklich gut gemacht.

Wie läuft unser Spiel? Frank zieht in der zweiten Runde einen Adligen nach Augsburg, hm. Frank zieht in der dritten Runde einen weiteren Adeligen nach Augsburg, hä. Was sollen die da? Augsburg wird erst in der fünften Runde gewertet und hat nur 3 Amtssitze. Viel schlimmer noch, einer meiner Aufträge ist es in Augsburg die Mehrheit zu haben. Jörg gewinnt, ich werd Zweiter (mit den meisten Auftragspunkt trotz des Fiaskos in Augsburg), Olli wird Dritter.

Was taugt es? Gut, ja sogar richtig gut. Trotz Mehrheiten und Aufträgen. Das liegt daran, dass kein Spielelement dominierenden Einfluss hat. Eine verlorene Mehrheit, ein vermurkster Auftrag – kann man ausgleichen. Kommt es in den Schrank? Die Chancen stehen nicht schlecht, aber 1, 2 Partien werd ich vorher noch spielen.

 

Nach den Staufern soll noch was Kürzeres auf den Tisch. Jörg kennt schon Auf nach Indien und meint, dass es von Dauer und Anspruch her gut passt. Vordergründig geht es um den Weg nach Indien, in Wirklichkeit um Klötzchenmanagement. Und das ist gut gemacht, denn die kleinen Teile brauch man überall. Segeln, Waren holen und damit Geld besorgen, Geld und Siegpunkte anzeigen. Je mehr Geld und Siegpunkte ich habe, desto weniger Klötzchen kann ich auf der Indienroute werkeln lassen. Geb ich mein letztes Geld aus, kann sogar mein Geldklotz segeln – cool.

Wie läuft unser Spiel? Ich verzichte komplett auf den Ausbau meiner Segelfähigkeit und konzentriere mich mit Druckpresse und Hafenverwaltung nur auf die Siegpunktproduktion. Das läuft zunächst sehr gut. Den ersten Dämpfer bekomme ich, als Olli (der Schuft) mir die Missionskirche unter der Nase weggekauft (obwohl er noch keine einzige Kirche hat). Dass es mit dem Sieg eng wird merke ich als ich alle Klötzchen im Einsatz habe und mir langsam die sinnvollen Züge ausgehen. Keiner der Anderer denkt natürlich daran seinen letzten Klotz ins Spiel zu bringen und damit das Spiel zu beenden (die Schufte). Als dann endlich Indien entdeckt wird und das Spiel endet haben Jörg, Olli und ich gleich viele Siegpunkte. Damit gewinnt Jörg, da er Indien entdeckt hat. Wieder nur Zweiter.

Was taugt es? Kleine Schachtel, wenig Material aber viel Spiel. Das ist gut gemacht. Werd ich gern wieder mitspielen, schlag ich auch sicher nochmal vor. In den Spieleschrank kommt es wenn, dann nur aufgrund der Größe. Für ein wirkliches großes Spiel ist nicht nur die Schachtel zu klein sondern sind auch die Möglichkeiten im Spiel zu überschaubar.

Bericht von Peter